World Cinema:
Bab'Aziz - der Tanz des Windes
Ishtar ist jung und voller Lebensfreude. Gemeinsam mit ihrem Großvater Bab’Aziz zieht das junge Mädchen durch die Wüste zu einem Derwisch-Treffen, das nur alle 30 Jahre stattfindet. Auf ihrem Weg begegnen den beiden die unterschiedlichsten Menschen, die ihnen ihre Geschichten erzählen. Unter ihnen ist ein Prinz, der bereit ist, sein Reich aufzugeben, um Derwisch zu werden …
Der Geschichtenerzähler öffnet das Tor zur Fantasie. Wie einen Teppich aus Sand oder Steinen breitet er seine Erzählung aus. Ähnlich vielen kleinen Bächen, die sich allmählich zu einem breiten Fluss vereinen, beginnen sich seine Geschichten zu verstricken und zu verdichten. Und während man diesen lauscht, weiß man nicht mehr, ob man in die Zeit zurückgeht oder aus ihr zurückkehrt.
Ich frage mich heute, ob das Märchen in meiner Kindheit nicht gleichzeitig die Nabelschnur war, die mich mit meiner Mutter und mit meiner Familie verband, und das Werkzeug, das uns – sowohl sichtbar aus auch unsichtbar – wie Tonfiguren formte. Durch die zärtliche weibliche Stimme plätscherte munter ein reichhaltiges Wissen über Raum und Zeit in unsere durstigen Seelen. Wir lernten Nuancen und Schattierungen von Gefühlen und Wesen kennen: von der Zuneigung bis zur Angst, von der Anwesenheit bis zur Abwesenheit. Mit der Schulzeit kam der erste Einschnitt, zumal die von Ordnung und Abstraktion geprägte Schrift Vorrang vor der unbeschwerten und freieren Mündlichkeit hatte.
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Nacer Khemir
Die Band von nebenan
Einst, vor nicht allzu langer Zeit, landete eine kleine ägyptische Polizeikapelle in Israel. Sie waren gekommen, um bei der Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums aufzuspielen. Doch Bürokratie, Pech oder einfach nur dumme Zufälle ließen sie bereits am Flughafen stranden. Sie versuchten, sich auf eigene Faust durchzuschlagen, um sich schließlich in einem gottverlassenen Nest mitten in der israelischen Wüste wiederzufinden. Eine verlorene Kapelle an einem verlorenen Ort... Und da es in dem trostlosen Städtchen auch kein Hotel gibt, muss die schüchterne Truppe private Quartiere für die Nacht finden. Ganz unvorhergesehen kommen sich Ägypten und Israel durch dieses dumme Missgeschick sehr nah.
Viele Filme wurden gemacht, um der wirklich wichtigen Frage nachzugehen, warum es keinen Frieden gibt. Mein Eindruck ist, dass es sehr viel weniger Filme darüber gibt, warum wir eigentlich Frieden so dringend brauchen. Das Naheliegende ist inmitten der Verhandlungen um ökonomische Interessen und Vorteile schlicht übersehen worden.
Irgendwann wird es so sein (wenn es nicht schon so ist), dass sich mein Sohn und der Sohn meines Nachbarn in einer hell erleuchteten Mall unter einem riesigen McDonald’s-Zeichen verabreden. Mag sein, dass man daran einen Fortschritt, auch einen gewissen Komfort ablesen kann, aber sicher ist auch, dass uns auf dem Weg dorthin etwas verloren gegangen sein wird. Wir haben Liebe gegen One-Night-Stands eingetauscht, Kunst gegen Kommerz und den Kontakt zwischen Menschen gegen Debatten um das Problem, wie groß das Stück sein wird, das wir uns vom ganz großen Kuchen sichern können.
– Eran Kolirin
Waltz with Bashir
Eines Nachts in einer Bar erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari von einem immer wiederkehrenden Alptraum, in dem er von 26 dämonischen Hunden gejagt wird. Jede Nacht, immer genau 26 Bestien. Die beiden Männer kommen zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zu ihrem Einsatz im ersten Libanonkrieg bestehen muss. Ari ist überrascht, denn er hat jegliche Erinnerung an diese Zeit verloren. Verstört macht er sich auf, Freunde und Kameraden von damals zu besuchen. Er muss die Wahrheit über jene Zeit und über sich selbst herausfinden. Je tiefer Ari in seine Vergangenheit eindringt, desto klarer werden seine Gedanken, und die verdrängten Erlebnisse erscheinen in surrealen Bildern.
Basierend auf realen Interviews und Ereignissen, ist Waltz With Bashir der erste animierte Dokumentarfilm in Spielfilmlänge. Regisseur, Autor und Produzent Ari Folman hat die Reise in seine Vergangenheit – eine Reise in die Jugendkultur der 80er Jahre und das West-Beirut während des ersten Libanonkrieges – auf fantastische und packende Art visualisiert.
Die Reise des chinesischen Trommlers
Sid ist ein junger wilder Sprössling einer mächtigen Unterwelt-Legende in Hongkong. Obwohl ihm sein Vater nicht besonders am Herzen liegt, ist er ihm in seiner Wildheit und Aufsäßigkeit doch ähnlich. Doch treibt es Sid mit der Wildheit etwas zu weit, als er sich mit der Freundin des zwielichtigen Stephen Ma einlässt. Stephen erwischt die beiden und will seine Ehre wiederherstellen: für den Verrat soll Sid beide Hände verlieren. Kwan, Sids Vater, verfrachtet seinen Sohn in die Berge Taiwans. Fernab von seinem Leben in Hongkong verbringt der flüchtige Sid einige sehr unruhige und nervöse Tage im Exil. Eines Morgens jedoch weckt ihn das entfernte Geräusch einer Trommel – hoch oben in den Bergen. Sid beschließt, dem Geräusch nachzugehen, und macht sich auf, den Berg zu ersteigen. Auf dem Gipfel stößt er auf eine Gruppe chinesischer Zen-Trommler, die in Aussehen und Lebensweise an Shaolin-Mönche erinnern. Jenseits vom Komfort und Luxus des modernen Lebens leben sie hier als Einsiedler – nur der Liebe zu ihrer Kunst und der Hingabe an ihren Beruf verpflichtet. Der einmalige Stil ihrer Performance, eine Kombination aus traditionellem chinesischen Trommeln, Martial Arts und moderner Bühnen-Performance, erregt das Interesse des jungen Mannes, und er verlangt, der Gruppe beitreten zu können. Er taucht ein in die Welt der Zen-Trommler, in ihre hypnotisierende Kunst, ihr diszipliniertes Körper-Training und ihre entsagende Lebensweise – bis sie Sid schließlich vollkommen verwandelt. Die Gruppe geht auf eine Welt-Tournee, und Hongkong soll die erste Station sein. Sid wird mit seiner alten Lebenswelt konfrontiert und muss eine Entscheidung treffen: zwischen der Loyalität zu seiner Familie und der Treue zu sich selbst.
Caramel
Tragikomödie um fünf lebenslustige Freundinnen im Libanon Sie treffen sich regelmäßig in einem Schönheitssalons, um sich über ihr Leben und die Liebe auszutauschen. Der Laden, betrieben von der schönen Layale, bildet den farbenfrohen, sinnlichen Mikrokosmos der Stadt. Zwischen Haarschnitten und Kosmetikbehandlungen vertrauen sich die fünf Frauen ihre verborgensten Wünsche und tiefsten Geheimnisse an. Layale liebt einen verheirateten Mann und bemerkt gar nicht, dass sie einen Verehrer hat, der alles für sie tun würde. Nisrine wird demnächst heiraten, aber sie ist schon lange keine Jungfrau mehr. Rima verliebt sich in einen Kunden des Schönheitssalons und Jamale hat furchtbare Angst vor dem Älterwerden. Hin- und hergerissen zwischen der Tradition des Ostens und der Moderne des Westens, versuchen die fünf Frauen auf ihre Weise, ihr Lebensglück zu verwirklichen. In ihrem Kinodebüt erzählt die libanesische Regisseurin Nadine Labaki von fünf ganz unterschiedlichen Frauen, die sich alle an einem amourösen Wendepunkt ihres Lebens befinden. Hin- und her gerissen zwischen Romantik, Verantwortung, Tradition und Moderne, Christentum und Islam, Familie und eigener Zukunft, versuchen sie, ihre Träume zu verwirklichen. In sanften Farben skizziert Labaki ihre Welt, mit viel Schwung und Humor erzählt sie ihre kunstvoll ineinander verwobenen Geschichten über die Frauen und ihren Alltag im Beirut von heute.
Drachenläufer
In der Hauptstadt Kabul wachsen Amir, der ängstliche Sohn eines hoch geachteten, Mullah-kritischen Afghanen, und Hassan, der mutige Nachwuchs des Hausdieners, gemeinsam auf. Trotz der Klassen- und Charakterunterschiede sind die beiden beste Freunde, die beim jährlichen Wettbewerb im Drachenfliegen triumphieren. Doch die Jahre der Unschuld enden abrupt und tragisch, als Hassan in einer Gasse der Stadt vergewaltigt wird und Amir dies beobachtet, aber aus Angst nicht eingreift. Seine Scham macht ihn zum Intriganten, beendet die Freundschaft, begleitet ihn auch nach dem Einmarsch der Roten Armee, als ihm sein Vater auf der Flucht nach Pakistan – später weiter in die USA – Zivilcourage demonstriert. Die Chance, sich selbst vergeben zu können, eröffnet sich Amir viele Jahre später. Ein Anruf führt ihn zurück in die Vergangenheit und schließlich in Afghanistan in die Konfrontation mit den Taliban.
Der Mongole
Dschingis Khan, der legendäre und gefürchtete Herrscher, ist hier „der Mongole“, der Anfang des 13. Jahrhunderts als Eroberer Asien in Schrecken versetzte. Aber kein überdimensionaler Held im ständigen Schlachtengetümmel, sondern ein Mensch, der erst einmal die Hölle auf Erden durchlebt. Als Neunjähriger soll Temudgin, wie er heißt, eine Braut aus dem Clan der Markit auswählen, um die Zukunft seiner Sippe zu sichern. Auf dem Weg ins Dorf trifft er auf einen kleineren Clan, und die zehnjährige Borte überzeugt ihn mit großer Schlagfertigkeit, die richtige Frau für ihn zu sein. Eine Liebe, die ihn sein Leben lang begleitet.
Doch dann muss er mit ansehen, wie sein Vater von Feinden vergiftet wird, der eigene Clan ohne den Stammesfürsten zerbricht und der neue Anführer ihm mit dem Tode droht. Er flieht und wird wieder eingefangen und wie ein Sklave gehalten, kaum hat er sich befreit, landet er bald wieder in Ketten. Nach Jahren des Leidens winkt friedliches Eheglück mit Borte, ihre Entführung durch seinen Widersacher beschwört neues Unglück herauf. Den wechselhaften Aufstieg vom gepeinigten Opfer zum Krieger und Mythos Dschingis Khan, der die Mongolen vereint, inszeniert der russische Regisseur Sergei Bodrow mit dem Japaner Tadanobu Asano in der Hauptrolle als bildgewaltiges Epos in den unendlichen Weiten der Steppe.
Tuya's Hochzeit
Tuya ist die schöne und standhafte Ehefrau von Bater, einem Hirten, der beide Beine verlor, als er auf der Suche nach Wasser in den weiten Steppen der Inneren Mongolei unterwegs war. So muss Tuya nun allein für Bater und ihre zwei Kinder sorgen. Die harte Arbeit setzt ihr merklich zu, bis sie eines Tages krank wird. Angesichts der ernsten Lage beschließt das Paar, sich scheiden zu lassen, damit Tuya jemanden suchen kann, der ihr hilft, die Familie zu versorgen. Die Anwärter sind zahlreich, doch keiner möchte sich um Bater kümmern, so wie Tuya es fordert. Auf ihrer Suche nach einem neuen Ehemann begegnet die selbstbewusste und sturköpfige, aber ebenso sanfte und sensible Tuya Freiern, die reich, aber unehrlich, liebenswert, aber schüchtern sind… Schließlich trifft sie ihre Wahl und ihr neuer Mann lässt Bater in ein Pflegeheim in die Stadt überweisen. Doch Bater verzweifelt immer mehr an seiner Sehnsucht nach Tuya und den Kindern und zwingt Tuya abermals zum Handeln.
"Filme, die mit einer ungewöhnlichen Ästhetik überraschen, die starke Geschichten erzählen und ein authentisches Bild ihrer kulturellen Herkunft vermitteln" - World Cinema Fund
Sehenswerte Filme aus Lateinamerika, Afrika sowie Naher und Mittlerer Osten und Asien.